26 Branchen & Betriebe metall 11/12 2026 Gefährdungen erkennen, Belastungen senken GESUNDHEITSSCHUTZ Die Arbeit in einer Autowerkstatt ist anstrengend, körperlich fordernd – vor allem jetzt, in der Reifenwechselsaison. Mit der Leitmerkmalmethode können Belastungen sichtbar gemacht werden. Ein erster Schritt, um die Arbeit der Beschäftigten zu erleichtern. Von Jan Chaberny K lar kann man den Reifen auch schnell selbst anheben: kurz bücken, anpacken, hochwuchten, halten, auf die Radnabe stecken – fertig! Was ist schon groß dabei? »Wenn man das einmal macht, gar nichts«, sagt Andreas Hils- mann. »Aber mit einem Reifen ist es ja nicht getan. Und mit einmal Bücken, Heben, Halten ist kein Reifenwechsel erledigt. Das ist eine körperlich anstrengende Arbeit. Und dabei haben die harten Wochen noch gar nicht angefangen.« Die harten Wochen. Die starten Jahr für Jahr verlässlich ab Mitte Oktober, die sind vor allem im November, wenn es draußen finster wird: morgens lange, abends früh dunkel, die Straßen nass oder glatt oder verschneit. »Dann merken viele auf einmal: ›Oha, ich habe ja noch meine Sommerreifen drauf. Die muss ich schnell mal wechseln.‹ Und dann geht es bei uns richtig rund.« Jetzt, an diesem hellen Vormittag im September, geht es noch nicht richtig rund. Jetzt steht Andreas in der Werkstatt im Volvo Centrum Rhein Ruhr. Drei Autos befinden sich auf Hebe- bühnen, die jungen Kollegen schwirren umher, und Andreas erzählt von seiner Arbeit. Wie sehr sie ihm noch immer Freude macht. Aber auch, wie hart sie ist, körperlich belastend. »Als ich mit meiner Ausbildung zum Kfz-Mechaniker angefangen habe, 1988, da waren die Autos alle viel kleiner, viel leichter. Die Räder, die wir gewechselt haben, waren nur BEURTEILUNGSHILFE FÜR DIE RADMONTAGE Zur Umsetzung der Leitmerkmalmethoden (LMM) gibt es neu die tätigkeitsbezogenen Beurteilungshilfen für körperliche Belastungen – auch für die Pkw-Rad- montage (zu finden auf der Website der DGUV). Die Beurteilungshilfe unterstützt bei der Gefährdungs - beurteilung. Und sie benennt konkrete Maßnahmen zur Reduzierung von Belastungen. Die IG Metall hat bei der Erarbeitung der Beurteilungs- hilfen konsequent die Perspektive von Beschäftigten und Betriebsräten eingebracht. Nun gilt es, das Konzept über die Selbstverwaltung der Berufsgenos- senschaften auf weitere Tätigkeiten auszuweiten. 13, 14 Zoll groß, handliche Reifen waren das, die konnte man gut grei- fen und montieren.« Und jetzt? Jetzt ist Andreas 56 und die e g n a R s a m o h T : o t o F Autos, an denen er arbeitet, die sind nicht mehr klein, sondern große Geschosse, schwere Karosserien mit entsprechend großen, schweren Rädern. »22-Zoll-Reifen sind keine Ausnahme mehr. Das ist eher die Regel. Und so ein Reifen mit Alufelgen wiegt gern mal 30 Kilo. Das geht auf den Körper. Darauf muss man sich einstellen.« Das tun sie hier in der Volvo-Werkstatt – und dass sie das tun, hat viel mit der Arbeit und dem Engagement des Betriebs- ratsgremiums zu tun und dem Vorsitzenden Patrick Pawlow- ski. Patrick ist Teamleiter, 41 Jahre alt und arbeitet seit 25 Jah- ren hier am Standort. Er hat eine Ausbildung zum Kfz- Mechaniker gemacht. Viele Jahre hat er in der Werkstatt gear- beitet, dann als Serviceberater und im Teiledienst, später war Patrick Teamleiter. Seit 14 Jahren nun ist er Betriebsratsvorsit- zender beim Volvo Centrum Rhein Ruhr. »Ich kenne die Arbeit. Ich weiß genau, wie belastend sie ist.« Schwere Karosserien, große Räder In der Werkstatt arbeiten 14 Kollegen, neun Monteure, fünf Auszubildende. Es gibt neun Hebebühnen, während der Rei- fenwechselzeit sollen, wann immer es möglich ist, zwei Be- schäftigte zeitgleich an einem Auto arbeiten. »Das spart dem Kunden Zeit. Und wir können mehr Autos bearbeiten«, sagt Patrick. »Vor allem in den Monaten, in denen die Reifenwech- sel anstehen, ist das ein Vorteil.« Zugleich bedeutet es sehr viel Arbeit: Von Anfang Oktober bis kurz nach Ostern wechselt das Team der Volvo-Werkstatt täglich bei zehn bis zwölf Fahrzeugen die Reifen. Für jedes Auto haben sie 30 bis 40 Minuten Zeit. Andreas beginnt jeden Tag um 8 Uhr morgens, mittags macht er eine halbe Stunde Pause. Anschließend arbeitet er weiter bis 15:30 Uhr. Während dieser Zeit ist Patrick, wie seine Kollegen auch, umgeben vom Lärm der Schlagschrauber, mit denen sie hier arbeiten. Und natürlich ist er den Belastungen ausgesetzt, die