20 Branchen & Betriebe metall 9/10 2026 Prävention ausbauen, Inklusion ermöglichen SBV-WAHL Zur Stärkung der betrieblichen Prävention und zur Integration von Menschen mit Behinderung hat die Schwerbehinderten- vertretung des Maschinenbauunternehmens Körber Technologies ein Inklusionsmodell mit aufgebaut, das echte Teilhabe ermöglicht. Von Jan Chaberny N eulich erst, da gab es wieder so einen Fall: Da schien für Carsten Schmela alles klar, alles eindeutig – aber nur auf den ersten Blick: Ein schwerbehinderter Be- schäftigter, ein Familienvater, der zu ihm in seine Sprech- stunde der Schwerbehindertenvertretung (SBV) kam, der zuvor häufig krank gewesen war und der nun vor ihm saß und sto- ckend berichtete, dass es in letzter Zeit alles ein bisschen viel sei: Die Anforderungen und der Druck seien gestiegen, digitale Technik habe seine Arbeit irrsinnig beschleunigt. Er schlafe in letzter Zeit schlecht, manchmal habe er keine Kraft. Er müsse schnell fit werden. »Ich habe gemerkt, dass da noch mehr ist. Körperliche, psychische und familiäre Herausforderungen beeinflussen sich gegenseitig«, sagt Carsten, 51 Jahre alt, Schwerbehindertenver- treter beim Maschinenbauer Körber Technologies in Hamburg- Bergedorf. »Aber es hat lange gedauert, bis der Kollege sich im Gespräch öffnete.« Als er es schließlich tut, erfährt Carsten, dass der Kollege eine Scheidung hinter sich hat, darunter leidet, kaum mehr bei seinen Kindern zu sein. »Der Kollege war oft auf Dienstreisen, häufig sechs, acht Wochen lang, um Maschinen in SBV-WAHLEN Im Herbst finden die Wahlen zu den Schwerbehinder- tenvertretungen (SBV) in Betrieben mit mindestens fünf Wahlberechtigten statt. Von einer starken SBV profitieren nicht nur Kolleginnen und Kollegen mit einer Behinderung, sondern alle Beschäftigten. Bei den Wahlen sind alle Beschäftigten eines Betriebs mit Schwerbehinderung wahl berechtigt sowie Beschäftigte, die durch Bescheid der Agentur für Arbeit den Menschen mit Behinderung gleichgestellt sind. Dabei spielt die Art der Beschäftigung keine Rolle. Wählbar sind alle Beschäftigten, die dem Betrieb mehr als sechs Monate angehören, egal ob mit oder ohne Behinderung. Betrieb zu nehmen. Das hat ihn enorm belastet.« Carsten setzt alle Hebel in Bewegung und er- reicht, dass der Familienvater für die nächste Zeit nicht mehr auf Dienstreise gehen muss. »Der Kollege war darüber so erleich- tert, dass seine körperlichen Be- schwerden verschwanden.« Das zeige, worauf es als Schwerbehin- dertenvertreter ankomme. »Wir müssen individuelle Lösungen für den einzelnen Kollegen oder die einzelne Kollegin finden. Dazu braucht es Zeit. Dazu brauchen wir Zeit und müssen gut zuhören«, sagt Carsten. »Aber zugleich brauchen wir belastbare Strukturen und eingespielte Prozesse, die die Integration von Beschäftigten genauso ernst nehmen wie die betriebliche Prävention.« g n p s i B r e t e P : o t o F i Gefährdungen aufspüren Belastbare Strukturen und eingespielte Prozesse haben sie als SBV bei Körber über die Jahre hinweg aufgebaut, stetig auf ihre Wirksamkeit überprüft, weiterentwickelt – und so ein nachhalti- ges System geschaffen, das echte Teilhabe ermöglicht und nicht vom Zufall abhängig ist. »Es ging uns darum, eine Art Früh- warnsystem aufzubauen, das es ermöglicht, Kolleginnen und Kollegen in den Blick zu bekommen, die an einer Belastungs- grenze stehen«, sagt Carsten. »Dazu wollten wir gute Instru- mente etablieren, Werkzeuge und Wege, mit denen betroffe- nen Beschäftigten gut geholfen werden kann.« Dieses System aufzubauen, war nicht leicht. Und es war natürlich nicht Cars- ten allein, der es aufgebaut hat. »Wir sind ein Team, ich habe sieben Stellvertreter. Nur gemeinsam können wir es packen.« Bei Körber arbeiten deutschlandweit rund 8600 Beschäf- tigte, verteilt auf über 70 Standorte. Rund 300 Kolleginnen und Kollegen haben eine Behinderung. »Für die müssen wir da sein. Und gleichzeitig auch Ohr und Auge für die restlichen Beschäftigten haben.« Bei vielen wachse der Druck, nähmen vor allem psychische Belastungen stetig zu. »Bei uns sind viele